Warum fachlich perfekte Texte trotzdem nicht verstanden werden


Gerade Unternehmen in Vertrauensbranchen schreiben ihre Texte sehr sorgfältig.

Ihre Kunden, Mandanten, Klienten oder Patienten kommen zu ihnen, weil es um persönliche, gesundheitliche oder finanzielle Fragen geht. Vertrauen spielt dabei eine große Rolle.

Also achten sie darauf,

  • präzise zu formulieren.
  • fachlich korrekt zu bleiben.
  • die richtigen Begriffe zu verwenden.

Und die Leser?

Sie merken zwar, dass der Text fachlich fundiert ist.
Doch oft denken sie gleichzeitig:
„Ich glaube, das ist wichtig. Aber so ganz verstehe ich es nicht.“

Gerade in Vertrauensbranchen ist Fachwissen selbstverständlich.

Steuerberater sprechen über steuerliche Gestaltungsspielräume.
Unternehmensberater über strategische Transformationsprozesse.
Praxen über differenzierte Therapieansätze.

Für Fachleute ist das völlig normal.
Für Außenstehende dagegen oft nicht.

Sie lesen dann Sätze wie:

„Wir entwickeln steueroptimierte Gestaltungsmodelle im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung.“

„Wir sind für die Anwendung von Mini-Schrauben zur skelettalen Verankerung zertifiziert.“

„Wir ermitteln den aktuellen Leistungsstand Ihres Kindes in der Orthographie und Sprachkompetenz.“

Das klingt kompetent.

Doch viele Leser denken dabei:
„Und was bedeutet das konkret für mich?“

Wenn Texte sehr fachlich werden, passiert etwas, das viele Unternehmen unterschätzen.

Am Anfang bemühen sich Leser noch, mitzudenken.
Sie versuchen, das Gelesene zu übersetzen.

Doch nach ein paar komplizierten Formulierungen schaltet der Kopf auf Sparmodus.

Der Text wird dann ungefähr so wahrgenommen:

„Fachbegriff …
verstehe ich nicht …
noch ein Fachbegriff …
das ist ganz schön anstrengend zu lesen.“

Und plötzlich entsteht Distanz.

Nicht weil der Inhalt schlecht wäre.
Sondern weil Leser nicht mehr sicher sind, ob sie ihn richtig verstehen.

Fachsprache hat einen großen Vorteil:
Sie wirkt professionell.

Und genau deshalb wird sie in vielen Texten großzügig eingesetzt.

Doch dabei passiert ein Denkfehler.

Unternehmen schreiben ihre Texte oft so, wie sie intern über ihre Arbeit sprechen.

Mit Kollegen.
Mit Fachleuten.
Mit Menschen, die dieselben Begriffe verwenden.

Website-Besucher gehören jedoch selten zu diesem Kreis.

Viele Unternehmen befürchten, ihre Texte würden „zu einfach“ wirken, wenn sie weniger Fachbegriffe verwenden.
Doch Verständlichkeit hat nichts mit Vereinfachung zu tun.

Ein klarer Text kann sehr wohl komplexe Inhalte vermitteln.

Der Unterschied ist nur:
Er erklärt sie so, dass Leser folgen können.

Statt:
„Wir entwickeln steueroptimierte Gestaltungsmodelle.“

könnte zum Beispiel dort stehen:
„Wir zeigen Ihnen legale Möglichkeiten, Steuern zu sparen und Ihre finanziellen Spielräume besser zu nutzen.“

Der Inhalt ist derselbe.

Der Unterschied ist nur:
Man versteht sofort, worum es geht.

Menschen lesen Texte auf Websites, in Broschüren oder Angeboten selten aus reinem Interesse.
Sie lesen sie, weil sie eine Entscheidung treffen müssen.

Sie möchten verstehen:

  • Kann mir dieses Unternehmen helfen?
  • Versteht es meine Situation?
  • Und passt die Zusammenarbeit zu mir?

Texte, die dabei helfen, geben Orientierung.
Sie übersetzen Fachwissen in eine Sprache, die Leser nachvollziehen können.

👉 Neben schwer verständlicher Fachsprache gibt es noch ein weiteres Problem in vielen Unternehmens-Texten:

Wenn ihr wissen möchtet, ob eure Texte verständlich sind, hilft ein einfacher Trick:

Gebt den Text einer fachfremden Person zu lesen und fragt:
„Kannst du sofort erklären, was dieser Satz bedeutet?“

Wenn nicht, lohnt sich ein zweiter Blick.

Denn hinter komplizierten Formulierungen steckt oft eine einfache Aussage.
Man muss sie nur sichtbar machen.

Fachwissen ist unverzichtbar.
Doch in Texten entfaltet es seine Wirkung erst dann, wenn Leser es nachvollziehen können.

Ein Text muss deshalb nicht weniger kompetent sein.
Er muss nur so formuliert sein, dass Menschen verstehen:

Was ihr tut.
Warum das wichtig ist.
Und wie es ihnen hilft.

Denn erst wenn Leser verstehen, was ihr meint, können sie entscheiden, ob sie mit euch arbeiten möchten.

Wenn ihr euch außerdem fragt, warum viele Websites trotz guter Leistungen austauschbar wirken, könnt ihr hier weiterlesen: Warum viele Websites austauschbar wirken.

Viele Experten schreiben so, wie sie intern über ihre Arbeit sprechen. Sie verwenden Fachbegriffe, die für Kollegen selbstverständlich sind. Außenstehende kennen diese Begriffe jedoch oft nicht.

Dadurch wirken Texte zwar fachlich korrekt, aber für Leser schwer verständlich.

Muss ein Texte einfacher werden, um verständlich zu sein?

Nein.

Verständlichkeit bedeutet nicht, Inhalte zu vereinfachen oder zu verflachen. Ein guter Text kann komplexe Themen erklären und trotzdem leicht verständlich sein. Entscheidend ist, dass Fachwissen so formuliert wird, dass Leser ihm folgen können.

Warum ist Verständlichkeit für Unternehmen so wichtig?

Menschen lesen Unternehmens-Texte meist, weil sie eine Entscheidung treffen möchten. Wenn sie schnell verstehen, was ein Unternehmen anbietet und wie es ihnen helfen kann, entsteht Vertrauen.

Unklare oder sehr fachliche Texte erschweren diese Entscheidung.


Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir überwiegend die männliche Form. Gemeint sind selbstverständlich alle Menschen.

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